Valentin ist 27 und erzählt aus seinem Leben: „Ich denke, dass mein erfolgreicher Lehrabschluss als Automonteur für schwere Nutzfahrzeuge ein Schlüsselmoment war. Eigentlich hätte dieser Moment zu einem guten Start in die Berufswelt führen können, denn ich hatte bereits einen Anstellung nach der Lehre. Nun bin ich im Dialogos und stelle mich dem Rätsel, weshalb mein Leben in all den Jahren trotz dieser guten Ausgangslage nicht gelang. Es war, als öffne sich mit dem Ende der Lehre ein Abgrund vor mir. Ich verlor das Ziel aus den Augen, hatte keinen Halt mehr und keine Ausrichtung. Ich ging im Streit mit dem Lehrmeister auseinander und realisiere heute, dass er mir wie ein zweiter Vater war, den ich mit Ende der Lehre wieder verlieren würde. Ich vermute, dass er wichtiger war, als der Arbeitsbereich. Er hatte viel Erfahrung, war streng und konsequent und hatte ein Händchen für Jungs wie mich. Jungs mit wenig Durchhaltevermögen, einem Schulabbruch und einigen Dingen auf dem Kerbholz. Womöglich war es einfach des Guten zu viel für mich. Nun musste ich diese Beziehung wieder loslassen. Das war mir natürlich nicht bewusst und ich konnte nur im Konflikt einen Abschied bewältigen. Ich trat die Stelle nach der Lehre nicht an und konnte auch in den vergangenen Jahren im Arbeitsprozess nicht Fuß fassen. Ich bereue es sehr, dass ich mir mit meinem Verhalten einmal mehr schadete und ich litt an Depressionen und konnte auch aggressiv werden. Wenn ich in die Klinik eingewiesen wurde, dann wollte ich kurz danach wieder austreten. Ich wollte nicht mit Medikamenten vertröstet werden. Ich wurde als unehelicher Sohn geboren. Mein Vater war damals 20 und meine Mutter mit der Situation überfordert.

 

Bis elf lebte ich bei meinem Vater und der Mutter meiner jüngeren Halbgeschwister. Die Konflikte zwischen ihr und mir und somit auch meinem Vater, nahmen zu. Ich fühlte mich ungerecht behandelt und benachteiligt. So kam ich mit elf Jahren gegen meinen Willen in ein Internat. Dort räumte ich den Safe aus mit einem Kollegen und kam danach in verschiedene Pflegefamilien. Ich vermisste meinen Vater sehr und er fehlte mir in wichtigen Jahren. Ich erlebte dann viele Wechsel, lebte irgendwo und war oft alleine. Meine Eltern habe ich beide lieb und ich werfe ihnen auch nichts vor. Trotz allem habe ich einen starken Charakter, wollte immer mich selbst bleiben, auch wenn ich mein Leben noch nicht im Griff habe. Anerkennung war und ist mir sehr wichtig. Meinen Vater sah ich das letzte Mal, als ich 18 Jahre alt war. Nun habe ich selber eine kleine Tochter, die ich nicht kenne, und habe immer wieder Schwierigkeiten im Umgang mit Frauen. Ich kann mich schnell begeistern, bin aber auch schnell verletzt und habe wenig Möglichkeiten, Konflikte zu lösen. Ich weiß nicht, ob Dialogos länger finanziert werden kann und wie mein Weg weitergehen wird. Ich bin bereit, meinen Fragen und Gefühlen nachzugehen und mein Bestes zu geben. Ich will das praktische Leben auf die Reihe kriegen und träume immer noch davon im ersten Arbeitsmarkt einzusteigen. Natürlich lerne ich hier auch, mit Geld umzugehen, Beziehungen zu pflegen, eine Tagesstruktur einzuhalten und Wohnkompetenzen zu trainieren. Vielleicht gelingt es auch eines Tages, meinen Vater, meinen Großvater, meinen Götti und meine Cousins wieder zu sehen und den Ort meiner Wurzeln zu finden.“