Ich, Linus bin 24 Jahre alt. Nachdem Maya mich auf ein Gespräch, bezüglich des Jahresberichts eingeladen hatte, konnte ich meiner Neugier nicht widerstehen und lief kurz darauf die wenigen Schritte zu ihrem Büro hinauf. Kurz darauf nimmt das Gespräch seinen Lauf. Es ist mir wichtig, das Bild, welches im Jahresbericht von mir vermittelt wird mit eigenen Worten zu formulieren, selbst wenn ich nur einen kleinen Ausschnitt aus meiner Lebensgeschichte wiedergebe. Nun sitze ich vor meinem Laptop, habe meine Kopfhörer, die mich ständig begleiten auf und trage eine stark getönte Sonnenbrille. Vor etwa 9 Monaten trat ich ins Dialogos in Stettfurt ein. Nach einigen Monaten, die ich im Richterhaus, in einem Einzelzimmer verbrachte, schätzte ich die Möglichkeit sehr, in eine Wohngemeinschaft, in einer neuen Mietwohnung, umzuziehen. Diese Chance ergriff ich sogleich. Heute lebe ich mit zwei WG-Mitgliedern in dieser, vom Dialogos zur Verfügung gestellten Wohnung.
Als ich mich vor neun Monaten entschieden hatte, von meinem Elternhaus auszuziehen und eigene Wege einzuschlagen, wurde mir kurz darauf klar, dass dieser Schritt von grosser Wichtigkeit für mich war. Für mich war die Entscheidung, mich auf ein betreutes Wohnheim einzulassen keinesfalls einfach. Doch schliesslich kann ich heute sagen, dass der Eintritt ins Dialogos ein grosser Erfolg für mich darstellt. Vielleicht hätte ich die Entscheidung gar früher treffen sollen, doch brauchen die grossen Schritte im Leben, oftmals Zeit und eine Bereitschaft. Hier im Dialogos fühle ich mich wohl, ich habe viele Möglichkeiten und Unterstützung, um mein eigenes Potenzial zu entfalten. Für mich ist klar, dass die äusseren Umstände, wenn sie vorteilhaft sind, einen positiven Einfluss haben auf die Stimmung, die eigene Entwicklung und die weitere Lebensreise. Wenn das Äussere stimmt und ich bereit bin, mich weiterzuentwickeln, ist inneres Wachstum möglich. Dazu fällt mir ein Spruch ein, der für mich einer meiner Leitsätze im Leben ist, dieser geht wie folgt: Die geistige Ernährung widerspiegelt sich im Charakter des Menschen. Für mich ist Dialogos, in meinem jetzigen Lebensabschnitt, ein wichtiger Halt und einer meiner Nährböden. Mit diesem Nährboden ist es mir wieder möglich, eine Perspektive zu sehen. Es gibt hier sehr viele Förderungsmöglichkeiten, selbst administrative Aufgaben werden begleitet, ob ich es nutzen kann, liegt an mir. Im gegenwärtigen Moment, der sich als Übergang von der Vergangenheit zur Zukunft aufzeigt, lebe ich heute in guten Umständen, die mir für die Zukunft Hoffnung geben und mir zeigen, dass es auch für mich ein lebenswertes Leben gibt, selbst mit all meinen Aussergewöhnlichkeiten und Macken. Mir stehen Wege offen, wie der für die Zukunft angedachte Wechsel in die Stadtwohnungen, in welchen ich noch mehr Verantwortung übernehmen und meine Selbstständigkeit weiter ausbauen kann. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten und die Unterstützung hier im Dialogos und weiss Heute, dass durch den Eintritt ins Dialogos, für mich ein wichtiger neuer Lebensabschnitt begonnen hat.
Im Dialogos habe ich bereits grosse Fortschritte gemacht, unter anderem im sozialen Umgang. Zuhause war ich oft stark isoliert, verkroch mich tagelang in meinem Zimmer und wenn ich doch mal mein Zimmer verliess, trug ich ununterbrochen meine geräuschunterdrückenden Kopfhörer. Ich schlief in der Nacht kaum und der Morgen wurde zur Qual. Zunehmend kehrte sich der Tag- und Nachtrhythmus um, wodurch ich sehr lange Zeiten am Fernseher oder Computer verbrachte.
Heute ist es mir möglich am Morgen einen geregelten Ablauf einzuhalten. Ich komme am Morgen früh aus dem Bett und kann den Morgen ganz nach meinen Wünschen nutzen. Der Tag verläuft mit vielen guten Gesprächen mit meinen Mitbewohnern, wie auch den anderen Bewohnern des Dialogos. Durch die sozialen Kontakte, die mir gegeben sind, lerne ich nun, Gefühle besser zuzulassen und auch zu zeigen. Im WG-Leben lerne ich, miteinander respektvoll umzugehen und offen miteinander zu kommunizieren. Wenn
etwas schwierig ist, übe ich mich im Ansprechen, wenn ich zu viel auf mich beziehe, kann ich die Wahrnehmung in der Haussitzung oder im Alltag überprüfen. Wenn etwas nicht veränderbar ist, lerne ich dieser Gegebenheit mit Akzeptanz zu begegnen. Gemeinsame Aktivitäten mit Bewohnern sind möglich und ich habe einen regen und guten Austausch. Jetzt lerne ich, dass meine eigenen Handlungen viel mehr Konsequenzen haben, als mir früher bewusst war. Ich erkenne meine Verantwortung, wenn ich mich auf Beziehungen einlasse. Ich bin bereit für eine neue kleine Aufgabe in der Hauswartung und freue mich aufs Rasen mähen. Die Hauswartung ist vielseitig, das spricht mich an. Im Dialogos habe ich als Nährboden feste Strukturen, Leitlinien und ein soziales Umfeld. Das hilft mir, meine Ängste abzubauen.
Ich komme aus einer grossen Familie mit drei älteren und zwei jüngeren Geschwistern. Bei mir gab es keinen klaren Anfang
der Erkrankung. Die Hauptdiagnose lautet, nebst depressiver Störung und emotional instabiler Störung, eine schizotype Störung. Ich litt schon früh unter Ängsten und Einsamkeit und kenne eine enorme Selbstabwertung schon seit den ersten Schuljahren. Dort bestätigte ich noch mit Fäusten meine Stellung in der Klasse und wollte der Stärkste sein. Ich fehlte oft wegen Migräne, bis zu 2 bis 3 Monaten im letzten Schuljahr, auch hatte ich keine Hausaufgaben gemacht und konnte mich nicht gut anpassen. Schulisch hatte das auf die Noten kaum eine Auswirkung. Ich war einfach mit mir beschäftigt. Der Umgang mit anderen forderte meine ganze Energie. Ich denke, dass sich meine Eltern eine Zeit lang Vorwürfe machten, sie hätten zu spät erkannt, was mit mir los ist. Nach dem Schulabschluss hatte ich somatische Beschwerden wie Knieschmerzen, Magenprobleme, Übelkeit, die bekannte Migräne. Ein Arzt vermutete, dass es psychisch ist, ich wollte es aber nicht wahrhaben oder zugeben. Das war mein Fehler. Ich hatte paranoide und wahnhafte Gedankengänge, so dass mich dunkle Mächte verfolgten, bis hin zu Sinnestäuschungen. Heute ist davon eine Sensibilität geblieben, dass ich schnell etwas auf mich beziehe.
Nebst vielen Interessen und Hobbies, ist Schreiben ein wichtiger Nährboden und eine Leidenschaft. Schreiben gibt mir Halt in dieser chaotischen Welt. Die Geschichten und Gedichte sind mein Sprachrohr, mit dem ich der Welt meine eigenen Fantasien und Welten, näherbringen kann. Mit dieser Form kann ich mein Innerstes, welches ich sonst oftmals nicht zulassen kann, zum Ausdruck bringen. Mit einer eigenen Website habe ich mir einen Traum erfüllt